Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
zurück

20.04.2015 Wenn einer eine Reise tut...

Reisen bildet und macht weltoffen... das kann ja auf keinen Fall schaden und so machten sich mein Vater, meine Schwester Martina und ich für 5 Tage auf nach Umbrien in Italien.

So ein Familienausflug hat schon seit einigen Jahren Tradition und früher fuhr natürlich auch meine Mama (die leider 2012 verstorben ist) und so viele Schwestern wie möglich (wir sind immerhin 4) mit.

 

Dieses Jahr hatten also nur wir drei Zeit und wie schon öfter, machten wir eine Busreise.

 

Das hat den Vorteil, dass von Anfang bis Ende alles organisiert ist, man gleich mit vielen lustigen Leuten in Kontakt kommt und die eigene Organisation lediglich noch darin besteht, jedes Mal pünktlich am Bus zu stehen.

 

Das hat allerdings auch den Nachteil, dass man Tag und Nacht wie eine Schafherde hinter dem Busfahrer oder Reiseleiter her ist, man auch mit Leuten in Zwangskontakt ist, die wir z.B. als Familie Sauerkraut (wegen der ständig sauren Miene) bezeichnet haben und die Busabfahrtszeiten das unumstößliche 11. Gebot sind!

 

Morgens um 05:00 Uhr starteten wir von hier und nach dem ersten Frühschoppen im Bus waren wir in bester Stimmung, was uns die nächsten Tage erwarten würde. Wir fuhren durch die Schweiz und am Luganer See und Comer See war es so richtig schön. Rechts und links Berge und in der Mitte die Seen - hier hätten wir gleich bleiben können. Dann ging es durch die Po-Ebene. Für lange Zeit wurde es total eben und neben vielen Feldern und landwirtschaftlichen Gebäuden, die längst am Zusammenbrechen waren, gab es nicht viel zu sehen. Mir wurde langweilig.

 

Am Abend kamen wir endlich in Umbrien an. Dies ist das einzige italienische Bundesland im Stiefel, das keinen eigenen Zugang zum Meer hat und hier gab es wieder ein paar Hügel. Das Hotel war abseits (also auch keine Möglichkeit für eigene Entdeckungen...) aber in Ordnung und das Abendessen war besser als erwartet. Gut, dass wir gleich ein bisschen mehr umbrischen Vino getrunken haben. Als wir ins Bett gingen, mussten wir erst längere Zeit eine geeignete Liegeposition suchen - die Sprungfedern der Matratze bohrten sich sonst zwischen die Rippen und blieben womöglich stecken.

 

Ein bisschen beschädigt krochen wir am nächsten Morgen von unserem "Nagelbett" und freuten uns auf´s Frühstück. Für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages hat das Frühstück in vielen südlichen Ländern ja die gleiche Bedeutung wie in Österreich die Eisbärenjagd - also vollkommen unwichtig! Keine Ahnung, warum alle Gäste immer schon mehr als eine Stunde vor dem Bustermin beim Frühstück waren - das hätte man in 10 Minuten locker essen können!

 

Der erste Tag war dann spannender als erwartet. Wir besuchten die Hauptstadt Perugia. Keine mondäne Großstadt, sondern Steinhäuser aus mittelalterlicher Zeit mit einer großen Vergangenheit und spannender Geschichte. Hier leben 160.000 Einwohner. Als wir gerade einen Stopp einlegten und die Reiseleiterin wieder ein paar urzeitliche Jahreszahlen zum Besten gab, da standen wir gerade an einem Haus mit offener Haustüre. Ich roch einmal vorsichtig hinen - genau wie ich mir vorgestellt habe... total modrig. Ich kenne Menschen, die genau so riechen und jetzt weis ich endlich auch, warum.

 

Am Nachmittag stand der Besuch eines Weingutes auf dem Programm, anschließend gab es ein gutes Abendessen und jede Menge Spaß und Wein! Die Sprungfedern bemerkten wir an diesem Abend nicht und schliefen sofort ein.

 

Am nächsten Tag stand der Trasimeno-See auf dem Vormittagsprogramm. Wir hatten eine lustige, schwäbische Reiseleiterin - seit 25 Jahren verliebt und verheiratet in Umbrien -.

 

Egal, wie schlimm die Geschichten der vergangenen Kriege (vielleicht erinnern Sie sich noch an die Schlacht am Trasimenischen See 217 v.Chr., während des Zweiten Punischen Krieges, als Hannibal mit 37 Elefanten über die Alpen gezogen ist und an diesem See in einem Überraschungsschlag zwei römische Heere geschlagen hat) - unsere Christine hatte es immer total lustig und lachte dauernd lauthals ins Busmikrofon. Das war für dieses sensible Mikrofon zuviel und es war rettungslos kaputt!

 

Am Nachmittag besuchten wir noch eine mittelalterliche Stadt und am nächsten Tag noch drei weitere (inzwischen waren wir ja in Übung!). Im Bus wurde nun nicht mehr so viel erklärt, denn inzwischen hatte auch die Klimaanlage ein Problem und die Reiseleiterin musste ohne Mikrofon gegen die rauschende Lüftung anbrüllen. Wir schwitzten also schweigend vor uns hin und die Hostess freute sich über steigenden Getränkeumsatz im Bus.

 

Am nächsten Tag ging es schon wieder zurück. Ein langer Reisetag lag vor uns und umso höher die Berge wurden, umso mehr freute ich mich auf daheim! Es war eine schöne Reise, unser Busfahrer war super, mit den anderen Leuten am Tisch hatten wir es sehr lustig, und ich konnte viele bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen.

 

Ich weis nicht, ob es Ihnen nach Ihren Reisen auch so geht. Wenn ich vom Allgäu aus die ersten Walser Berge sehe, dann weis ich - nirgends auf der Welt ist es so schön wie hier!

 

Viele Grüße von Ihrer reiselustigen Regine